Namaste India – Literarische Reisenotizen (3)

3 | Dienstag, 20. Januar 2026

Gestern sind wir von Mumbai nach Goa geflogen. Beide Regionen liegen am Arabischen Meer, das Indien mit den westwärts liegenden arabischen Staaten verbindet. An einem der traumhaften Stränden liegt unser Hotel „Bogmallo Beach Resort“ mit einem weiten Blick auf Meer und Horizont.

Ein faszinierender Sonnenuntergang hinter Palmen hatte uns am Vorabend schon stimmungsvoll begrüßt. Hier lässt es sich gut leben und feiern. So ein Sonnenuntergang lässt Sehnsucht erwachen: nach Glück, Frieden, Liebe. Wir halten uns lange schweigend im Arm und sind berührt von dem, was wir sehen, bis die Sonne am Horizont verschwindet. Später wiegt uns das Meeresrauschen in den Schlaf.

Und mit dem sanften Meeresrauschen werden wir auch wach. Ein Traum?

Nach dem Frühstück unternehmen wir einen ersten Strand-Spaziergang im feinen Sand, mit den Füßen im Meer. Schritt für Schritt. Wir atmen die Sonne ein. Kleine Boote bewegen sich in der nahen Ferne spielend vor unseren Augen.

Nach dem Mittagessen beginnen die Vorbereitungen für die Märchen-Hochzeit von Aashay und Julia. Zuerst gibt es die traditionelle Körperbemalung mit braunfarbener Henna-Tinte: „Mehendi“. Julia werden Arme und Füße von zwei Meisterinnen ihres Faches bemalt. Filigran und blütenreich. Und auch wir Gäste dürfen uns schmücken lassen. Meine beiden Handrücken werden im Nu mit feinen Ornamenten verziert. Die Farbe zieht in die Haut ein und hält mehrere Tage. Bei mir sind sie auch noch zuhause gut zu sehen.

„Mehendi“ bedeutet: „was Farbe verleiht“ und steht symbolisch für Glück, Liebe und Segen. Dieser Wunsch verbindet uns in besonderer und sichtbarer Weise mit Julia und Aashay.

Dann beginnt eine fröhliche Gartenparty: Unter bunten Tüchern und Girlanden mit unzähligen Tagetes-Blüten lassen sich Aashay und Julia mit ihren Gästen fotografieren. Es wird getanzt und viel gelacht.

Abends startet in einem Saal des Hotels das Fest „Sangeet“ mit traditioneller indischer Musik. Das glückliche Brautpaar sitzt auf einem Podest nahe der geschmückten Bühne. Zuerst tanzen Verwandte und Freunde, einzeln oder zu zweit. Wir sehen und spüren an diesem Abend die indische Leidenschaft.

Als Familie und Freunde der Braut beteiligen wir uns mit einem flotten Tanz auf „Dancing Queen“ und einem klassischen Wiener Walzer. Dann singt und tanzt Julias Freundeskreis einen FasteLOVEnd-Hit der Kölschen Band Kasalla.

Der Höhepunkt des Abends ist aber sicherlich der Solo-Tanz von Archana, Mama von Aashay, später auch zusammen mit seinem Vater Lalit. Standing ovations feiern die glücklichen Eltern.

Bei so viel getanzter Liebe und Freude geht uns das Herz weit auf. Bereit für das, was morgen kommt.

(wird fortgesetzt)

Namaste India – Literarische Reisenotizen

2 | Sonntag, 18. Januar 2026

Dieser erste Sonntag in Indien wird für uns zum Paradies-Tag. Noch einmal durchatmen und Nichtstun, bevor wir morgen nach Goa fliegen.

Ein schattiger Platz im Palmengarten des Hotels ist schnell gefunden. Kinder planschen im Pool und stecken uns mit ihrer Fröhlichkeit an. Auch den Raben gefällt es, die in den Palmen zuhause sind. Wir sollten aufpassen, dass uns keine Kokosnuss auf den Kopf oder vor die Füße fällt. Diesen freundlichen Rat gibt uns Santosh, der Poolboy, der für die Handtücher und frisches Trinkwasser zuständig ist. Es scheint für die krähenden Vögel ein besonderer Sport zu sein. Und manchmal treffen sie tatsächlich. Wir kommen allerdings an diesem Tag ohne Blessuren davon. Glück gehabt. Die Raben sind gnädig mit uns.

Viele Gedanken und Bilder gehen uns durch den Kopf. Sind wir tatsächlich in Indien? Im Halbschlaf könnte es auch ein schöner Traum sein. Wenig später sehen wir mit eigenen Augen, dass es kein Traum ist: Wir sind in einem besonderen, unbekannten Land, das wir bisher nur von der Landkarte kennen.

Von unserem Platz unter den Palmen sehen wir rechts vom Hotel einige Hütten der Ärmeren. Ob darin wohl Santosh mit seiner Familie wohnt? Er macht auf keinen Fall einen unglücklichen Eindruck. Er ist, wie die anderen Mitarbeitenden, ein Meister der indischen Gastfreundschaft. Auf einmal werde ich demütig und bescheiden. Und das ist auch gut so. Mein Wissen über Indien ist sehr begrenzt. Und was auch immer ich sehe, hat auf jeden Fall mehrere Wahrheiten.

Die Menschen hier bewegen sich mit entspannter Geschwindigkeit. Heute haben auch wir einfach mal das Tempo aus unseren Schritten rausgenommen, frei nach dem Sprichwort: Auch als Schildkröte gelangen wir ans Ziel. Du nimmst auf jeden Fall die Umgebung und dich selbst achtsamer und intensiver wahr. Ich erinnere mich an die schöne Übung der Geh-Meditation nach Tich Nhat Hanh, einem weltweit bekannten Weisheits-Lehrer. Und ich nehme von diesem Paradies-Tag die Erkenntnis mit, dass unser Leben zuhause mehr Meditation sein sollte. Mehr Ruhe und Achtsamkeit. Beim Gehen und Reden, beim Tun und Lassen. Beim Schweigen und Beten.

(wird fortgesetzt…)

Namaste India – Literarische Reisenotizen

1 | Samstag, 17. Januar 2026

Nach einer ersten, kurzen Nacht in Mumbai und einem Frühstück mit allerlei indischen Köstlichkeiten (es gibt zusätzlich auch Kaffee black and white, Toastbrot, Marmelade, Honig, Bircher Müsli und Fruchtjoghurt, Wurst und Käse) treffen wir uns mittags mit Aashay und Familie und Pranay, dem treuen Freund und WG-Mitbewohner in Luxembourg, zum Shopping-Abenteuer bei 31 Grad. Sonne und blauer Himmel satt.

Die erste Fahrt durch Mumbai zu einem modernen Einkaufscenter macht uns vertraut mit dem Großstadtverkehr: Autos, Tuk-Tuks, geschäftige Fußgänger und unzählige Motorroller (auf denen manchmal bis zu vier Personen eng beieinander Platz finden oder von einem Mitfahrer auf dem Rücksitz ein Flachbildschirm transportiert wird) teilen sich die Straße. Dann der ungewohnte Linksverkehr. Das wilde und laute Hupen wird für uns in den nächsten zwei Wochen zur vertrauten Melodie der Stadt.

Am Rand der Straße sehen wir auch das: Obdachlose und bettelnde Kinder, heilige Kühe und schlafende Hunde. In Mumbai leben mehr als 20 Millionen Menschen. Und das Leben scheint sich hier auf der Straße abzuspielen. Überall stehen Menschen zusammen, bieten ihre Waren an, diskutieren miteinander – und einige winken uns Fremden mit einem Lächeln zu. Wir sind willkommen.

Im Einkaufscenter teilen wir uns in zwei Gruppen auf: die Frauen ziehen in die eine Richtung weiter, wir Männer in die andere. Wir gehen zuerst in ein Geschäft mit traditioneller indischer Kleidung: Das richtige Hochzeitsoutfit finden. Wildes Anprobieren, die richtigen Farben wählen, die passenden Schuhe dazu, entscheiden. Oder doch noch einmal etwas anderes anziehen? Einige sind mit ihrer Auswahl schnell fertig, andere brauchen etwas länger. Es ist schon ein erstes kleines Abenteuer. Wir lachen viel, bestaunen unsere Verwandlungen und geben uns gegenseitig Tipps, was denn nun am besten zu uns passt. Glücklich verlassen wir nach und nach den Shop mit unseren Papiertüten, schon ganz aufgeregt, ob wir denn bei der Hochzeit auch wirklich eine gute Figur machen.

Nach dem Shopping treffen wir uns alle in einer Bar im Einkaufscenter wieder und stärken uns mit erfrischenden Getränken, die uns dekorativ in großen Zinkschalen gebracht werden – und essen neugierig Indian Pizza, very spicy. Aber sehr, sehr lecker. Wir sind uns gemeinsam einig: Nicht nur Italien kann Pizza.

Unser Gastgeber freut sich, dass dieser Tag ein gelungener Auftakt für die indisch-deutsche Hochzeitsfeier geworden ist. Wir fühlen uns schließlich wie eine Familie.

Es gibt an diesem Nachmittag viel zu erzählen und es wird ein fröhliches Miteinander. Wir alle freuen uns auf die nächsten Tage im Feier-Modus am Strand von Goa mit seinen vielen Palmen, gelegen am Arabischen Meer mit seinen sanften Wellen.

Am Ende dieses Tages wird uns bewusst, dass wir Teil eines ganz besonderen Abenteuers sind.

(wird fortgesetzt…)