hoffnung

wie leben
mit dem krieg
in meinem kopf

wie leben
mit den träumen
in der nacht

wie leben
mit den menschen
auf der flucht

wie leben 
mit der ablehnung
des fremden mit-menschen

atmen und weiter leben

weil leben den namen
hoffnung trägt


Bild: Dayron Villaverde auf pixabay.de

16.10.2023

„Ich spüre (beim Lesen deiner Texte in den letzten Tagen), dass du richtig aus der Bahn geworfen bist.“ Was eine liebe Freundin von mir heute geschrieben hat, trifft es ziemlich genau. Mich beschleicht das trübe Gefühl, dass ich nicht mehr in der Welt lebe, in der ich hineingeboren und in der ich erwachsen geworden bin. Vor ein paar Tagen sind etliche Düsenjäger über meinen Kopf donnernd hinweg geflogen und ich war nahe an einer Panikattacke. Seitdem lebe ich wieder mit der Angst. Meine kleine Welt ist wieder einmal unsicher geworden und ich habe nichts, an dem ich mich festhalten kann. Dabei will ich doch meine Hoffnung und meinen Glauben nicht verlieren!

Meine Freundin schreibt weiter: „Ich hoffe, dass Du trotz allen Elends wieder vertrauen kannst, dass das große Ganze am Ende der Zeit gut wird.“ Im Moment fehlt mir diese Zuversicht. Zur Angst gesellt sich in mir Wut und Klage. Ich will dem ohnmächtigen G:tt mein Gebet: Wo bist du? nicht ersparen. Er darf sich die Ohren nicht verschließen. Er muss mir und so vielen anderen, darunter die gemordeten Kinder, zuhören. Und handeln. Jetzt handeln. Und die Sintflut der barbarischen Gewalt jetzt stoppen. Damit wir endlich wieder den Ölzweig in unseren Händen halten können. Und aufatmen können. Damit Frieden wird in unseren Herzen und in den Gesellschaften, in denen wir leben.

Nach diesen Gedanken weiß ich auf einmal, dass ich nicht aus der Bahn geworfen, sondern auf einem richtigen Weg bin. Alles hat seine Zeit. Und jetzt ist die Zeit, mit meinem G:tt zu hadern und zu ringen. Ihm die Zukunft abzutrotzen. Meine Zweifel hinauszuschreien. G:tt soll jetzt beweisen, dass er immer noch an uns Menschen glaubt.

Bild: Myléne auf pixabay.de

mutterseelen-allein

der himmel 
ist leer

keiner mehr da
der das böse
stoppen wird

mit den kindern
haben sie auch
gott
aus dem leben vertrieben

glaube und hoffnung
fliehen 

mutterseelen-allein
warte ich
auf einen neuen
morgen


Bild: sebastian del val bei pixabay.de

13.09.2023

In den letzten Tagen fiel es mir schwer, meine Gedanken niederzuschreiben. So vieles hat sich drängend in den Vordergrund geworfen. Da sind die verstörenden Nachrichten und Bilder aus Israel. Das Böse hat ein hässliches Gesicht. Wer kleinen Kindern brutale Gewalt antut, ist ein Un-Mensch! Noch ein weiterer Krieg. Und wieder greift Angst nach mir. In meinen Träumen und Gedanken. Die Depression schleicht sich langsam an mich ran. Müdigkeit lähmt meinen Tag. Mir fehlt der Mut, ganz bewusst andere Gedanken und Gefühle zuzulassen. Selbst zum Beten fehlt mir die Kraft.

Hält G:tt meine Ohnmacht mit aus? Treiben ihn die getöteten Kinder genauso um wie mich und andere Menschen? G:tt, wo bist du? – das ist mein einziges Gebet in diesen unsicheren Zeiten.

***

„Ich glaube, dass fast alle unsere Traurigkeiten Momente der Spannung sind, die wir als Lähmung empfinden, weil wir unsere befremdeten Gefühle nicht mehr leben hören. Weil wir mit dem Fremden, das bei uns eingetreten ist, allein sind, weil uns alles Vertraute und Gewohnte für einen Augenblick fortgenommen ist; weil wir mitten in einem Übergang stehen, wo wir nicht stehen bleiben können.“ — Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter

Bild: Bernhard Falkinger bei pixabay.de