november, 08

Als Trost-Suchender schleiche ich durch diese nächtlichen Tage. Der Frieden ist endgültig verlorengegangen. Und mit ihm mein Vertrauen, dass doch alles gut werden könnte. Auf den Straßen wüten die Menschen. Ihre Herzen kalt wie Stein. Sie jubeln über den Tod der unschuldigen Kinder. Angewidert wende ich mich ab. Aber wohin ich auch blicke dieselben lauten Rufe und hassverzerrten Gesichter. Wo finde ich Schutz für mein verwundetes Leben?  Für meinen zweifelnden Glauben? Für meine Träume? Meine Hoffnung?

Ich habe kein Zuhause mehr. Ich fliehe in meine innere Welt, die keinen Anker im richtigen Leben kennt.

Ich bleibe auch dort ein Trost-Suchender. In den fernen Armen Gottes finde ich endlich ein kleines Stück unendlicher Zukunft.

Bild: Joe/Pixabay

november

nebel-regen
feuchtet 
das land

bunt 
fliehen
die gedanken
am endlichen 
himmel

november-trauer
wird still
und heiter

während
rosen
ewig blühen


Bild: Anita Smith bei Pixabay

hoffnung

wie leben
mit dem krieg
in meinem kopf

wie leben
mit den träumen
in der nacht

wie leben
mit den menschen
auf der flucht

wie leben 
mit der ablehnung
des fremden mit-menschen

atmen und weiter leben

weil leben den namen
hoffnung trägt


Bild: Dayron Villaverde auf pixabay.de

16.10.2023

„Ich spüre (beim Lesen deiner Texte in den letzten Tagen), dass du richtig aus der Bahn geworfen bist.“ Was eine liebe Freundin von mir heute geschrieben hat, trifft es ziemlich genau. Mich beschleicht das trübe Gefühl, dass ich nicht mehr in der Welt lebe, in der ich hineingeboren und in der ich erwachsen geworden bin. Vor ein paar Tagen sind etliche Düsenjäger über meinen Kopf donnernd hinweg geflogen und ich war nahe an einer Panikattacke. Seitdem lebe ich wieder mit der Angst. Meine kleine Welt ist wieder einmal unsicher geworden und ich habe nichts, an dem ich mich festhalten kann. Dabei will ich doch meine Hoffnung und meinen Glauben nicht verlieren!

Meine Freundin schreibt weiter: „Ich hoffe, dass Du trotz allen Elends wieder vertrauen kannst, dass das große Ganze am Ende der Zeit gut wird.“ Im Moment fehlt mir diese Zuversicht. Zur Angst gesellt sich in mir Wut und Klage. Ich will dem ohnmächtigen G:tt mein Gebet: Wo bist du? nicht ersparen. Er darf sich die Ohren nicht verschließen. Er muss mir und so vielen anderen, darunter die gemordeten Kinder, zuhören. Und handeln. Jetzt handeln. Und die Sintflut der barbarischen Gewalt jetzt stoppen. Damit wir endlich wieder den Ölzweig in unseren Händen halten können. Und aufatmen können. Damit Frieden wird in unseren Herzen und in den Gesellschaften, in denen wir leben.

Nach diesen Gedanken weiß ich auf einmal, dass ich nicht aus der Bahn geworfen, sondern auf einem richtigen Weg bin. Alles hat seine Zeit. Und jetzt ist die Zeit, mit meinem G:tt zu hadern und zu ringen. Ihm die Zukunft abzutrotzen. Meine Zweifel hinauszuschreien. G:tt soll jetzt beweisen, dass er immer noch an uns Menschen glaubt.

Bild: Myléne auf pixabay.de