18.09.2023

Und auf einmal ist es Herbst. Der Morgen liegt um 7:00 Uhr noch im Dämmerlicht. Der Himmel schon herbstgrau. Ein Wind windet sich durch die Landschaft. Regen erfrischt den Tag. Das ist das andere Gesicht des Herbstes. Ungemütlich, ein bisschen sogar bedrohlich. Zeit zum Kuscheln zuhause. Bei Kerzenlicht Briefe schreiben und in die Welt schicken. Jetzt beginnen die Wochen, in denen wir wieder die Nähe und den Kontakt zu den Menschen aus unserem Leben suchen.

Aus dem heiteren Lachen des Sommers wird Nachdenklichkeit. Im Herbst trösten wir uns gegenseitig unsere schwermütig angestrichenen Gedanken und Gefühle. Und wir lächeln milde in den Nebel hinein.

Am Mittag kommt die Sonne hervor. Der Himmel wird zartblau. Wind windet immer noch, jetzt freundlicher. Aufatmen. Der Spätsommertag hat gerade noch einmal die Kurve gekriegt.

Dieser Tag endet mit Gewitterschauern. Und mit Geborgenheit im sicheren Zuhause.

(s j | d)

Bild von Kohji Asakawa auf pixabay.de

15.09.2023

Der Morgen ist kühl, aber die Sonne und der blaue Himmel versprechen einen schönen Tag. Die Wälder werden langsam golden. Herbst – was für eine ergreifende Jahreszeit. Die Hitze des Sommers ist vorbei und die Schöpfung zeigt sich in den nächsten Wochen von ihrer schönsten Seite. Selbst der Nebel ist wie zarte Poesie.

Hochzeitsfreude liegt heute brombeerfarben in der Luft. Mit viel Segen für die gemeinsame Liebe. Jetzt noch einmal jung sein und das Unbeschwerte feiern. Stattdessen Warten auf den 60. Geburtstag im nächsten Jahr. Dankbar und lebenserfahren. Das Glück gemeinsamer Jahre ernten. Und darüber nicht schweigen. Jeden Augenblick wie ein großartiges Geschenk annehmen. Auch die Einschränkungen und Schmerzen an Leib und Seele. Das ganze Leben feiern. Sich jetzt bloß nicht wieder in die Vergangenheit ziehen lassen, sondern an der Schwelle zu neuen Jahren die Zukunft erobern. Gemeinsam – das ist die größte Freude.

(s j | d) / Bild: pixabay.de

13.09.2023

Nach einer Gewitter-Nacht aufgewacht mit Schmerzen unter der Bandage in der linken Hand (Sehnenscheidenentzündung). Und mit Sorge und Angst im Herzen: Die Machthaber von Russland und Nordkorea treffen sich und reden über Militärkooperationen. Nordkorea hat Munition und Waffen zu viel und braucht Unterstützung für sein Raketen- und Ernährungsprogramm. Für den Krieg in Europa verheißt das nichts Gutes. Wird Putin mutiger und den Krieg auf die NATO ausweiten? Weltkrieg war doch gestern – und morgen oder übermorgen wieder? Papst Franziskus spricht gestern von der „Kühnheit des Friedens“.  Wir (die westlichen Gemeinschaften und jede und jeder Einzelne) haben es verlernt, den Frieden zu wagen. Viel zu schnell haben wir uns in den Kriegsmonaten mit den Waffen – und sei es zur Selbstverteidigung – abgefunden.  Wir haben die Toten und die verschleppten Kinder beklagt, wir haben todbringende Waffen geschickt und unsere Gewissen reingewaschen. Wir haben schon lange den Frieden verlernt, ohne den es doch keine Zukunft gibt. Der Papst in seiner Friedensbotschaft: Es gelte „demütig und beharrlich an die immer offene Tür des Herzens Gottes und an die Türen der Menschen zu klopfen“.

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Nach dem Erdbeben in Marokko folgt die verheerende Sintflut in Libyen mit über 5000 Toten. Schon wieder so viel Leid und Verderben durch eine Naturkatastrophe. Ob Klimawandel oder nicht: ich erinnere mich heute an die Verse aus dem 19. Kapitel des 1. Buch der Könige:

(11) Der Herr sprach: Geh heraus und tritt auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben. (12) Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.

Gott ist nicht im Erdbeben und auch nicht in der Sintflut. Gott begegnet den Menschen nicht mit Gewalt, sondern zärtlich. Nicht mit Tod und Zerstörung, sondern in Hoffnung und Leben. Aber Hoffnung fällt schwer in diesen Tagen.

(s j | d)

11.09.2023

5:45 Uhr: Mühsam kräht der Dorfhahn in den noch frühen Tag. Eine scheinbar traumlose, erholsame Nacht endet noch vor dem ersten Glockenschlag. Hahn, Hunde, Schafe, Gänse und neuerdings auch ein Esel werden sich bis in den Abend hinein immer wieder mit ihren je eigenen Lauten aus verschiedenen Richtungen bemerkbar machen. Dorf pur. Sie übertönen dabei das Menschen-Geflüster über Trennungen und neue Liebschaften, Familienbande und Krankengeschichten. Das Jammern und Klagen über die Mühsal des Tages, die versagende Kirche und den Zuspruch der neuen Nazis. Manches sicherlich wortreich geheuchelt. Hinter vorgehaltener Hand. Widerspruch wertet das Gesagte auf. Also lieber schweigen und dem Glockenläuten zuhören. Und dem krähenden Hahn.

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Am Wochenende gab es noch einen deutschen Weltmeister: Nicolaus Peters aus Berlin hat die Floristik-WM im englischen Manchester gewonnen. Die Jury lobt vor allem „seine Leidenschaft für kunstvolle Floristik“. Er habe die „Fähigkeit, Farben, Formen und Texturen harmonisch zu vereinen.“ Ein schönes Handwerk, das Schönheit hervorbringt, die Menschen berührt.

Und auch dieser sportliche Nachtrag muss sein: Der DFB erntet heftige Kritik am Zeitpunkt der Trainer-Entlassung, mitten in der atemberaubenden Schlussphase des Basketball-Finales. Mehr Arroganz und Missgunst gehen wirklich nicht. Ein Tiefpunkt der Fußballmachenschaften neben dem Spielfeld. Früher war mehr Vorbild und Charakter.

Ein ehemaliger Fußballprofi bringt das Dilemma auf den Punkt: „Wenn du elf Blinde auf dem Platz hast, was soll denn ein Trainer dann machen?“ Recht hat er.