neue ufer

die ferne
flieht 
in mir

neue ufer
werden 
mein zuhause

komm und
lausche 
mit uns
dem abschieds-chor
des sommers


Bild: Pexels bei pixabay.de

03.10.2023

Meine letzte TagebuchNotiz hat mich dazu inspiriert, „Sanftmut“ als mein persönliches Jahreswort 2024 auszuwählen. Ein Jahr lang besonders nach Sanftmut fragen in dem, was mir begegnet. Diese Tugend von allen Seiten beleuchten. Sanftmut meditieren. In der Sanftmut wachsen. Sanftmütig werden. Texte und Erfahrungen sammeln. Mit Sanftmut Beziehungen pflegen und gestalten. Und was ist, wenn Sanftmut fehlt?

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„Die Einheit trägt bisweilen Trauer“, sagt Bischöfin Kerstin Fehrs im Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit im Hamburger Michel. Wie recht sie hat. Schon lange ist uns die Freude über die Wiedervereinigung vor 33 Jahren abhanden gekommen. Die Probleme im Einzelnen und vor allem die gespaltene Gesellschaft im Ganzen dominieren die Nachrichten. Manche sprechen gar von einer Gefahr für unsere Demokratie. Wieder sind die Brandstifter unterwegs. Die Verführer haben Kreide gefressen. Und selbst erfahrene Demokraten spielen mit der Angst der Menschen. Eine dummdreiste Strategie. Haben wir nichts anderes dem Populismus entgegenzusetzen als mit den Wölfen zu heulen?

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Am Abend lese ich in einer Meditation die letzten Worte des David von Menevia, Schutzpatron von Wales: „Tue einfache Dinge gut“. Könnte auch ein Motivationssatz aus unserer Zeit sein. Tue einfache Dinge gut. Ob mir das im Alltag gelingen wird?

Bild: Teresa auf pixabay.de

28.09.2023

Ein neues Lieblingswort entdeckt: „Sanftmut“ – Zärtlich mutig sein. Anders als der Begriff der Barmherzigkeit (auch ein Lieblingswort von mir) geht es hier weniger um Innerlichkeit, sondern um die Frage: Wie kann ich mutig handeln und mich und die Welt verändern?

In der Bergpredigt werden die Sanftmütigen seliggepriesen. Auch Jesus selbst wird sanftmütig genannt.

Um das Leben zu bestehen, braucht es Mut. Viel sanften Mut. Entschlossenheit und Liebe. Ja, es braucht Sanftmut, um sich für die Demokratie und das Zusammenleben in Kirche und Gesellschaft einzusetzen. Wir dürfen darin nicht nachlassen oder uns zurückziehen. Wir dürfen den sanften Mut nicht aufgeben, gerade dann nicht, wenn die anderen laut schreien und sich in den Vordergrund drängeln. Wer sanftmütig ist, bleibt bei der Wahrheit und spielt nicht mit dem Feuer.

Barmherzigkeit und Sanftmut gehören zusammen. Wer beides kultiviert und sich zu eigen macht, überlässt sich der Weisheit und Stärke G:ttes. Der widersteht den falschen Propheten. Der Sanftmütige umarmt sein Leben freundlich. Die Sanftmütige baut mit an einer friedlichen und gerechten Welt.

Bild von Bronislaw Drozka auf pixabay.de

23.09.2023

Der Morgen ist um halb zehn immer noch kühl. Auf dem Schreibtisch türmen sich Bücher und Papiere. Nicht gewollte Unordnung. Das Ordnen ist mehr als anstrengend. Hauptsache, die Gedanken können weiter fließen und die Worte ziehen sich nicht zurück. Das leere Blatt Papier füllt sich langsamer als sonst. Die Hand schmerzt schon seit Wochen. Ein unbekannter, stechender Schmerz, der sich nicht lindern lässt. Trotz aller Versuche. Gegen den Seelenschmerz schreibe ich an, aber gegen den Leibschmerz bin ich hilflos.

Kurz vor Mittag läutet wieder einmal die Totenglocke.

Der Nachmittag ist angefüllt mit Gottesdienst-Vorbereitung für Sonntag. Predige über einen meiner Lieblingstexte: Die Heilung des Gelähmten an der schönen Pforte im Tempel von Jerusalem (Apostelgeschichte 3,1-8). Besonders freue ich mich darauf, Abendmahl mit der Gemeinde zu feiern. Auch diesmal wieder ohne Angst und Zweifel. Bin emotional stabil und in den letzten Monaten weiter gewachsen.

Gegen Abend räume ich dann doch noch meinen Schreibtisch auf. Fühlt sich so besser an.

s j | d

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