Am Anfang

Wie kann ich anfangen? Und welches Thema lockt mir die passenden Worte hervor?

Ist das leere, weiße Blatt Papier (oder der leere Bildschirm) nicht das Schreckgespenst des Schreibenden? Ich blättere in meinem Ideen-Notizbuch und lese aufmerksam darin. Finde ich eine Spur, die ich heute weiter verfolgen möchte? Oder wird es etwas ganz Neues sein, das noch in meinen Gedanken schlummert?

Der erste Text für mein Fernstudium ist geschrieben. Es sind autobiografische Notizen. Manche Passage in diesem Lebenslauf ist sehr privat. Vielleicht kann ich Sie aber später einmal in einem literarischen Text erzählen. Und auch mein Lektor ist gefunden. Seine ersten Anmerkungen haben bereits Mut gemacht, weiter zu schreiben. Ich bin sehr gespannt auf unsere weitere Zusammenarbeit in den nächsten drei Jahren.

Eine Journalistin hat mich vor ein paar Tagen gefragt, warum ich dieses Fernstudium mache. Ich könne doch schon schreiben. Ja, das mag sein, aber ich möchte meine Kenntnisse verfeinern und von einem erfahrenen Autor lernen. Ich möchte noch mehr meinen eigenen Stil finden und mit Worten, Texten und Formaten experimentieren.

Ich werde weiter Gedichte schreiben. Und als ein Ziel für mein Fernstudium habe ich für mich formuliert, Erzählungen und Kurzgeschichten zu schreiben. Vielleicht entsteht dann daraus sogar ein Buch? Aber noch bin ich ganz am Anfang. Und am Anfang – vor jedem fertigen Text – steht für mich die Freude über das Spiel mit Worten. Zuerst in Gedanken. Und dann auch in Farbe auf dem weißen Blatt Papier.

s | d

ohne worte

ohne worte
das leben verschenken

ohne worte
die liebe in den himmel malen

ohne worte
die hoffnung umarmen

ohne worte
den frieden erklären

ohne worte
einfach sein

s | d
31.01.2023

Literatur – Notizen

Im Rahmen meines Fernstudiums „Literarisches Schreiben“ arbeite ich gerade an einem Text mit autobiografischen Notizen, um mich meinem zukünftigen Lektor vorzustellen. In Abschnitt 3 geht es um meine Erfahrungen mit Literatur. Dabei skizziere ich auch in aller Kürze meine Motivation zu schreiben.

3 | Literatur – Notizen

Literarischen Texten bin ich schon sehr früh im Haus meiner Ur-Oma väterlicherseits begegnet. Da gab es eine unverheiratete Großtante, die als Heimatschriftstellerin in Bitburg und in der Eifel in ihrer Zeit berühmt war: Gerda Dreiser (1906-1991). In ihren Texten verarbeitete sie hauptsächlich die Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Durch ihr Engagement beim Roten Kreuz war sie mit unendlichem Leid in dieser Zeit konfrontiert. Aber sie ist nie daran zerbrochen. Das Schreiben hat ihr – lange bevor es Eingang in die gängigen Psychotherapieschulen gefunden hat – dabei geholfen. Davon bin ich überzeugt.

Sie hat auch verschiedene Zeitungsartikel über einen in Amerika berühmten Verwandten von uns geschrieben: Theodore Dreiser (1871-1945), der sich vor allem mit gesellschaftskritischen Romanen, die sogar in Hollywood verfilmt wurden, einen Namen gemacht hat. Ich habe verschiedene seiner Texte angelesen, aber der ganze Stil und die unterschiedlichen Themen sind mir viel zu schwerfällig. Mit Amerika habe ich immer schon gefremdelt. Fasziniert aber hat mich allerdings die Tatsache, dass mein Vorfahre (ein Großcousin meines Urgroßvaters) am Ende seines Lebens in Hollywood gelebt hat und dort auch begraben liegt. Die Beerdigungsrede hat der berühmte Charly Chaplin, ein Freund von ihm, gehalten. Was für eine Petitesse, von der nicht jeder erzählen kann.  

Literarisch prägt mich der deutsche Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil. Kurz vor dem Abitur haben wir im Deutsch-Leistungskurs seinen gerade erschienenen Erstlingsroman „Fermer“ gelesen. Sofort hat mich die poetische und sehr persönliche Sprache begeistert. Und dann in seinen weiteren Romanen die Liebe zum Schreiben und Notieren, der detailgenaue Blick auf das eigene Leben. Immer wieder tauche ich in seine Bilder und Geschichten ein, in denen ich mich in vielen Worten und Sätzen wiederentdecke. Ortheil inspiriert mich, meine eigene Lebensgeschichte in Bildern und Geschichten auszudrücken. Mit Sprache zu spielen. Auch seine Schreib-Übungen haben mir geholfen, das Schreiben und Notieren für mich zu entdecken und ein schlummerndes Talent zu wecken. In dieser Spur möchte ich gerne weitergehen.

Ich bin aber auch ein Freund der Lyrik, sei es Rainer Maria Rilke, Paul Celan oder Hilde Domin. Überhaupt habe ich mein literarisches Schreiben mit eigenen Gedichten begonnen. Damals in der Zeit der Krise und Wandlung. Mir liegt die kleine, verdichtete Form. Das Wenige und Stille. Das Leben lässt sich nach meinen Erfahrungen nur als Fragment beschreiben, das stetig ergänzt werden muss durch das andere oder die anderen. Nur so kann ein Leben ganz werden und gelingen.

Die poetische Sprache von Texten ist für mich per se schön.

Ästhetische Sprache ist einfach – und berührt mein Herz. Und ich möchte mit meinen Texten Herzen berühren. Ich lasse mich dabei gerne inspirieren, zum Beispiel von Thomas Mann, vor allem von „Der Zauberberg“. Aber auch von der poetischen, einfachen Sprachwelt des Seelsorgers und Predigers Josef Ratzinger. Literarisch gibt es hier manchen Schatz zu heben.

Verwandtschaft in Amerika (2)

Von Theodore Dreiser war hier schon die Rede. Aber auch ein älterer Bruder von ihm erlangte in Amerika einige Berühmtheit: Er wurde 1857 als Johann Paul Dreiser jr. geboren, änderte später seinen Namen in Paul Dresser. Einem breiteren Publikum wurde er als Songwriter, Komponist und Schauspieler bekannt.

Paul Dresser – EMZ Eifel-Mosel-Zeitung (eifelmoselzeitung.de)

Paul Dresser (wikibrief.org)

Sein Song „On the Banks of the Wabash, Far Away“ wurde 1913 die offizielle Hymne des Bundesstaates Indiana.