
Wir haben unseren Baum gefunden. Eine gerade gewachsene Eiche in einem idyllischen Waldstück zwischen Bell und Rieden. Mit Blick auf den Andachtsplatz und in der Nähe eines Wanderweges mit einem fernen Blick in Richtung Maria Laach. Dort wurde in diesem Monat ein Ruheforst eröffnet, 170 Urnengrabstätten in verschiedenen Biotopen. Darunter auch ein Regenbogen-Biotop für die Sternenkinder – unter Lärchen, in denen die Feen wohnen sollen.
Schon etwas länger beschäftigen Johannes und ich uns mit Fragen rund um unsere Beisetzung. Wir haben einen Vorsorgevertrag bei dem Bestatter unseres Vertrauens abgeschlossen und möglichst viele Punkte vorab festgelegt. Denen, die nach uns kommen und sich um uns sorgen, haben wir möglichst viele Entscheidungen schon zu unseren Lebzeiten abgenommen. Einiges werden wir jetzt ändern müssen, nachdem wir unseren Baum gefunden haben. Er trägt übrigens die Nummer 136.
In seine Wurzeln hinein werden wir uns also bestatten lassen. In einer Urne, die biologisch abbaubar ist. Zurück zur Natur. Es ist gut zu wissen, wo unsere Asche hinkommt. Nicht irgendwo anonym auf einem abschüssigen Fleck Rasen unter der prallen Mittagssonne. Sondern im Schatten alter Bäume, an denen Wanderer vorbeikommen und fröhlich vom Leben singen. In den Ästen flüstern die Erinnerungen. Vor allem die schönen.
Wir haben unseren Baum gefunden. Er wartet auf uns. Und bis es soweit ist, werden wir leben. Jeden Tag und Augenblick auskosten. Die Liebe genießen. Freundschaften pflegen. Hoffnung haben. Und uns leise auf das Ewige nach dem Tod freuen.
s j | d – 11. Juni 2023
Bild: privat