
Die erste Trauer nach einem Verlust gehört zu unserem Leben, weil sie uns hilft, diesen Verlust zu verarbeiten. Trauer um einen geliebten Menschen. Trauer um das eigene ungelebte Leben. Trauer um eine zu Ende gegangene Beziehung. Trauer um alles, was vergangen ist.
Zu dieser ersten Trauer gehören neben dem Schmerz viele geweinte und ungeweinte Tränen. Unser Herz ist offen für den Schmerz. Unser Angesicht ist angespannt und verhärtet. Die plötzliche Einsamkeit macht einen anderen Menschen aus uns.
Nach einem Verlust bleibt die erste Trauer eine Weile unsere Begleiterin. Wir weigern uns, mit ihr befreundet zu sein. Aber sie bleibt bei uns. Wie lange, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In der Vergangenheit gab es ritualisierte Trauerzeiten: Nach 6 Wochen gab es vielerorts einen Gottesdienst zum vorläufigen Abschluss der ersten Trauer. Und auch das erste Jahrgedächtnis war ein markanter Punkt. Ganz früher legte man nach einem Jahr die schwarze Trauerkleidung ab. Man war auch nach außen wieder sichtbar im Leben angekommen.
Es gibt auch die verdrängte Trauer. Dann lege ich eine Maske an und täusche mich und andere. Alles ist gut. Ich bin stark. Nichts kann mich aus der Bahn werfen. Ich habe alles unter Kontrolle. Verdrängte Trauer bleibt in uns. Schwermut wird zu einem Gewand, das wir unsichtbar tragen.
Trauer in Liebe – Im bewussten Loslassen halten wir das Vergangene fest, ohne uns darin zu verlieren. Tränen sind das Zeichen für die erste Trauer. Trauer in Liebe ist von einem inneren Lächeln geprägt. Mit diesem Lächeln bleiben wir dankbar für den gestorbenen Menschen oder die Situation, die auf einmal hinter uns liegt. Trauer in Liebe lässt uns barmherzig mit uns selbst werden. Die Augen bleiben offen für die Gegenwart. In meinem Herzen weitet die Liebe meinen Horizont neu. Mit einer Erfahrung, die mich verwandelt hat und weiter verwandeln wird.
Trauer in Liebe wird zur Brücke in das gute Land der Ewigkeit. Im Gehen über diese Brücke erfahren wir Freiheit und eine tiefe Sehnsucht und Freude. Vor uns liegen Leben und Licht. Vor uns liegt unser ganz eigener Lebens-Weg der Trauer. In Liebe.
(Bild: sd | Sonnenuntergang auf dem Schwanberg)
